März 12

Rezension „Anonym“

Ich liebe die Jugendbücher von Ursula Poznanski und wollte schon immer mal einen ihrer Thriller für Erwachsene lesen. Genauso wie ich auch schon seit langem mal ein Buch von Arno Strobel lesen wollte. Nur irgendwie kam immer etwas dazwischen, aber das neueste Buch von den beiden klang so spannend, dass ich keine Ausreden mehr hatte, es nicht zu lesen.

Cover des Buches "Anonym" von Ursula Poznanski und Arno Strobel
© Rowohlt Verlag
http://www.rowohlt.de

Zum Inhalt:

Kommissarin Nina Salomon wurde von ihrer alten Dienststelle in Bremen nach Hamburg versetzt. Dort muss sie mit dem undurchsichtigen und spleenigen Daniel Buchholz zusammenarbeiten. Die beiden können einander nicht sonderlich gut leiden und werden nur langsam miteinander warm. Doch ihr gemeinsamer Fall hat es in sich und so versuchen die beiden sich so gut sie können, zusammenzuraufen.

Die erste Leiche in ihrem Fall ist ein toter Anwalt, der auf brutale Weise ermordet wurde. Wie sich herausstellt, hat der Mann bei einer Abstimmung im Darknet-Forum Morituri „gewonnen“ und musste deshalb sterben. Noch während die Ermittlungen zum Mord am Anwalt laufen, geht auch schon die nächste Abstimmung online und die Polizei kann nichts tun.

Nina fühlt sich von ihrem Partner ausgebremst, sodass sie sich zu einem Alleingang entschließt. Sie trifft sich mit verschiedenen Forumsusern, in der Hoffnung, so dem Kopf hinter dem Ganzen, Trajan, auf die Schliche zu kommen. Doch ihre Sturheit und Alleingänge haben weitreichende Folgen und schon bald beginnt für sie ein Wettlauf gegen die Zeit, an dessen Ende es keine Sieger geben kann.

Mein Leseerlebnis:

Am Anfang musste ich mich erst etwas an die Schreibweise gewöhnen. Vor allem weil die ersten Kapitel im Prinzip doppelt waren, da dieselben Situationen einmal aus Buchholz‘ und einmal aus Salomons Sicht erzählt wurden. Im Verlauf des Buches wurde dies jedoch immer weniger.

Zuerst hat es mich etwas gestört, dasselbe noch einmal lesen zu müssen, aber je weiter ich gelesen habe, desto glücklicher war ich über die Entscheidung der beiden Autoren. Dadurch, dass man dieselben Erlebnisse aus zwei unterschiedlichen Perspektiven geschildert bekam, hatte man viel schneller und leichter ein Gefühl dafür, wie Buchholz und Salomon ticken, sodass man gewisse Reaktionen der Charaktere später nicht mehr extra erklärt bekommen musste. Im Endeffekt fand ich es auch sehr spannend, mal ein Buch zu lesen, in dem gewisse Charakterzüge nicht ausdrücklich benannt werden, sondern implizit vermittelt wurden.

Ihr solltet euch also auf keinen Fall vom Perspektivwechsel abschrecken lassen! Es ist zwar ungewohnt, aber nach den ersten vier Kapiteln, gibt es keine doppelten Erzählungen mehr, man hat sich an den Wechsel zwischen Salomons und Buchholz‘ Erzählung gewöhnt und die Geschichte wird so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann!

Besonders fasziniert hat mich auch das Thema des Buches: Ein Forum im Darknet, in dem die Mitglieder nicht nur potenzielle Mordopfer vorschlagen können, sondern auch noch darüber abstimmen, wer lebt und wer stirbt. Wie sensationsgierig die Menschen dargestellt werden und die erschreckende Erkenntnis, dass es in der Wirklichkeit womöglich so oder so ähnlich sein könnte, haben den Thriller einerseits noch realistischer und andererseits noch gruseliger für mich gemacht.

Als etwas zu flach empfand ich die Hintergrundgeschichte von Trajan, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch.

Der Showdown ist dann so megaspannend und die Auflösung des Falles so unglaublich und trotzdem plausibel, dass man noch lange nachdem man das Buch aus der Hand gelegt hat, über „Anonym“ nachdenkt.

Meine Empfehlung:

Ein Thriller für alle, die ein fesselndes Buch suchen, starke Nerven haben und ein überraschendes Ende von Thrillern suchen. „Anonym“ ist bestens für alle Fans der beiden Autoren sowie Sebastian Fitzek und Wolfgang Tsokos geeignet.

Falls ihr euch nicht sicher seid, ob das Buch was für euch ist, könnt ihr über den Link unten auf die Verlagshomepage von Rowohlt/Wunderlich gehen, dort gibt es eine kostenlose Leseprobe.

Bibliographische Daten:

Titel: Anonym
Autoren: Ursula Poznanski und Arno Strobel
Seiten: 384
Verlag: Wunderlich
ISBN: 9783805250856
Preis HC: 19,95€ / Preis Ebook: 16,99€
Erscheinungsjahr: 09/2016